Nikolaus Harnoncourt
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Concentus Musicus
  Nikolaus Harnoncourt
 
Eine kurze Biographie

Im Dezember 1929 in Berlin geboren, verbringt der österreichische Dirigent aus dem Geschlecht der luxemburgisch-lothringischen Grafen de la Fontaine und d’Harnoncourt-Unverzagt seine Kindheit und Jugend in Graz.

Schon früh künstlerisch ambitioniert, absolviert Harnoncourt das Cellostudium an der Wiener Musikakademie und wird 1952 als Cellist bei den Wiener Symphonikern aufgenommen.

Ein Jahr später gründet er gemeinsam mit seiner Frau Alice den Concentus Musicus Wien, um seiner immer intensiveren Arbeit mit Originalinstrumenten und der musikalischen Aufführungspraxis von Renaissance- und Barockmusik ein Forum zu geben. Nikolaus Harnoncourt sammelt historische Instrumente und entwickelt parallel zum Musizieren und Dirigieren auch in musikphilosophischen Schriften seine Analysen der „Musik als Klangrede“ - bis heute Standardwerke der historischen Aufführungspraxis, die Eröffnung eines Kosmos von vergessenen Werken und verschütteten Klangerfahrungen.

Von 1972 an unterrichtet Nikolaus Harnoncourt Aufführungspraxis und historische Instrumentenkunde als Professor am Salzburger Mozarteum.

Parallel dazu wächst sein Erfolg als Operndirigent. Nach seinem Debüt am Theater an der Wien mit Monteverdis „Il ritorno d'Ulisse in patria“ 1971 folgt der inzwischen legendäre Zyklus von Monteverdis Musiktheaterwerken, zusammen erarbeitet mit dem Regisseur Jean-Pierre Ponelle am Opernhaus Zürich, ein weltweit als sensationell betrachteter Durchbruch. Als ebenso exemplarisch und richtungsweisend erweist sich am selben Haus der daran anschließende Zyklus von Mozartopern.

Sowohl im symphonischen Repertoire als auch im Musiktheater führt Nikolaus Harnoncourts Weg als Dirigent über die Wiener Klassik zum romantischen Repertoire und ins 20. Jahrhundert. Einige Stationen auf diesem Weg: die Wiener Staatsoper mit einem Mozart-Zyklus, die Salzburger Festspiele mit Monteverdis „L'incoronazione di Poppea“ und Mozarts „Le nozze di Figaro“, „Don Giovanni“ und „La clemenza di Tito“. Dazwischen immer wieder Zürich: Webers „Freischütz“, Schuberts „Des Teufels Lustschloss“ und „Alfonso und Estrella“, Offenbachs „La belle Hélène“, „La Périchole“ und „La Grande-Duchesse de Gérolstein“, oder Verdis „Aida“.

In der Orchesterarbeit sind es das Concertgebouw-Orkest Amsterdam, das Chamber Orchestra of Europe, die Wiener und die Berliner Philharmoniker, mit denen Nikolaus Harnoncourt ein großes Repertoire erarbeitet und immer wieder neu entdeckt: Dieses führt über Haydn, Mozart und Beethoven über Schubert, Mendelssohn, Schumann, Brahms, Dvorák und Bruckner bis hin zu Bela Bartók und Alban Berg.

Ein zentraler Ort für viele dieser Projekte war und ist die styriarte, 1985 in Graz gegründet, um Nikolaus Harnoncourt enger an seine Heimatstadt zu binden. Hier dirigierte er unter anderem auch zum ersten Mal Schumanns „Genoveva“, Vorspiel und Liebestod aus Wagners „Tristan und Isolde“ oder 2001 Verdis „Requiem“. 2003 kommt mit Offenbachs „La Grande-Duchesse de Gérolstein“ erstmals eine Oper hinzu. Ein weiterer Höhepunkt ist die szenische Aufführung von Bizets Carmen im Rahmen der styriarte 2005.

Nikolaus Harnoncourt ist heute einer der wenigen wirklichen Weltstars unter den Dirigenten. Mit Auftritten wie bei den Neujahrskonzerten der Wiener Philharmoniker 2001 und 2003 erreicht er ein Millionenpublikum - mit der gleichen Leidenschaft und dem flammenden Ernst, mit denen er überall auf der Welt konsequent vor allem eines ist: ein wahrer Diener der Kunst.


Monika Mertl, Vom Denken des Herzens. Alice und Nikolaus Harnoncourt. Eine Biographie, Neuaufl. 2004

 
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