Nikolaus Harnoncourt
Aktuelles
Biographie
Termine
Bild und Ton
Das Werk
Links

Aufnahmen
Publikationen
Interviews & Portraits
Zitate
Auszeichnungen
Rezensionen
  2007/08
  2006/07
  2005/06
  2004/05
  2003/04
  2002/03
  Aktuelle Kritik: Romantische Sternstunde
 
Ein glänzenderes Plädoyer für ein zu Unrecht kaum bekanntes Werk hätte sich nicht finden lassen als diese zwei Aufführungen im Wiener Musikverein am Wochenende. Robert Schumann komponierte das Oratorium „Das Paradies und die Peri“ nach einer altpersischen Sage und dem daraus entstandenen Epos „Lalla Rookh“ von Thomas Moore.

Ernst P. Strobl, 17. März 2008

Der Jubel war berechtigt für die kleine Sensation. Nikolaus Harnoncourt, die Wiener Philharmoniker und der Arnold Schoenberg Chor, dazu ein nahezu ideales Solistenensemble ließen am Freitag das Oratorium als packende Erzählung mit klanglicher Pracht und Passagen von fast überirdischer Schönheit erstehen. Schumann und sein musikdramatisches Schaffen – „Genoveva“, „Faust-Szenen“ – ist ein Anliegen, für das Harnoncourt mit heißem Herzen eintritt. Dieses Oratorium ist auch eher ein „Opertorium“, mit Hochspannung trotz traditionsgebundenem Wechselspiel zwischen Erzählung, Soli und Chorpassagen.

Kein Paradies für den gefallenen Engel

Die Geschichte ist poetisch und rührend. Trotz verzweifeltem Bemühen bleibt das Paradies für die Peri verschlossen. Diese Peri ist ein gefallener, ausgestoßener Engel, der mit unbedingtem Willen ins Paradies will, das ihm ein Engel versperrt. Nur überzeugende Opfergaben würden den Weg frei machen. Das Blut eines mutigen Jünglings, der bei einem Tyrannenmord scheitert, genügt nicht. Auch der letzte Seufzer einer Jungfrau, die mit ihrem pestkranken Geliebten in den Tod geht, überzeugt den Engel nicht. Erst die Tränen der Reue, die ein Schwerverbrecher beim Anblick eines süßen, unschuldigen Kindes vergießt, öffnen die Pforten ins Paradies.

Meisterliches Ensemble für ein Meisterwerk

Schumann hat für die 26 Szenen ein Klangpanorama komponiert, das hochkomplexe Verflechtungen von Solostimmen, Vokalquartett, Chor und Orchester in den Finalteilen ebenso umfasst wie symphonisch-theatralische Effekte im Orchestersatz oder Frauensoli von sensibler Innigkeit und brennender Leidenschaft. Annette Dasch als Peri und Mojca Erdmann als Jungfrau standen wie in Haydns „Armida“ bei den Salzburger Festspielen 2007 wieder gemeinsam auf der Bühne. Elisabeth Kulman als dunkler Engel, Christoph Strehl als Erzähler, Bernhard Berchtold als Jüngling, Michelle Breedt und Christian Gerhaher waren individuell markante Besetzungen und in Ensembleszenen ein wunderbar verschmelzendes Team. Der flexibel eingesetzte, kompakte Schoenberg Chor und die prächtig kolorierenden Philharmoniker vollzogen Harnoncourts drängende Anweisungen mit Hingabe: Es war eine romantische Sternstunde.

www.salzburg.com

 
Kontakt
English
created with DATENDRANG