Die styriarte konnte Tobias Moretti gewinnen, in der Langen Nacht des Meeres 1 aus einem seiner Lieblingswerke, den Seeabenteuern des Freiherrn von Münchhausen zu lesen! Mehr hier.
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styriarte 2008 - „Alles fließt“
27. Juni bis 27. Juli 2008
„Fuor del mar, ho un mar in seno“: Aus den Wellen gerettet, findet der Kreterkönig Idomeneo dennoch keine Ruhe: Der Sturm wütet nun in seiner Seele. Das Drama des Menschen, der dem schwankenden Geschick schutzlos ausgeliefert ist, wurde immer schon in die Metapher vom stürmischen Meer gekleidet. Wer hat sie ergreifender vertont als Mozart in seiner großen Oper „Idomeneo“?
Der Geniestreich des 24-Jährigen steht, dirigiert und inszeniert von Nikolaus Harnoncourt, im Zentrum der styriarte 2008. Der Grazer Maestro kehrt konsequent zur Münchner Urfassung des Werkes zurück und bietet dafür eine sensationelle junge Sängerbesetzung auf – rund um den albanischen Tenor Saimir Pirgu in der Titelpartie. Die Kraftreserven des Arnold Schoenberg Chors trotzen Neptuns Stürmen. Der Originalklang des Concentus musicus Wien wird von Mozarts revolutionärster Partitur bis an seine Grenzen gefordert.
Doch das Meer tobt nicht nur rund um Kreta, die von Neptun gestrafte Insel. Auch im Hamburger Hafen wüten antike Gottheiten im Auf und Ab der Gezeiten. Wir sehen die Lagunenstadt Venedig sturmgepeitscht. Händels Opernhelden von haushohen Wellen verfolgt – wie Kommissar Brunetti in den Romanen der Donna Leon. Die styriarte 2008 blättert in den musikalischen „Seestücken“ des Barockzeitalters und malt ein Fresko entfesselter Urgewalten.
Das „Mare nostrum“ der Römer, das Meer, in dem auch Kreta liegt, liefert dem Festival einen dritten Erzählstrang: So wie die griechischen Heimkehrer aus Troja vom Zorn der Götter in alle Himmelsrichtungen verstreut wurden, so verschlug es auch die sephardischen Juden an alle Küsten des Mittelmeers. Jordi Savall erzählt ihre Geschichte. In einem zweiten Programm verfolgt er den Weg der spanischen Armada bis vor Englands Küste. Wir hören vom Sieg eines englischen Seehelden in Ägypten und vom Mythos des „Jungbrunnens“ in der mediterranen Welt.
Weniger mythisch geht es hierzulande zu, wo Flüsse und Seen, Brunnen und Quellen die Menschen mit Trinkwasser versorgen. Heilsam wirken sie auf Körper und Seele, wie es auch Komponisten immer wieder erfahren haben: Bach in Karlsbad, Brahms am Thuner See, Schubert in Bad Gastein. Gerade den Romantikern wurden Bäche und Seen zum Sinnbild für Lebensglück und Menschenschicksal. Bei Franz Schubert ist alles im Fluss: die Launen der „Forelle“ und der „Schönen Müllerin“, die himmlischen Längen seiner späten Kammermusik.
„Nicht Bach, sondern Meer sollte er heißen.“ Dem großen Komponisten mit dem Wasser im Namen widmet die styriarte einige Kapitel ihres Programms. Und sie geht den Mythen des Meeres im Kino nach. Für die letzte styriarte-Woche verwandelt sich dann die Helmut-List-Halle selbst in ein Schiff, in die S.M.S styriarte“.
„Alles fließt“ – im Leben wie bei der styriarte 2008.