Der amerikanische Dirigent, Cembalist und Musikwissenschaftler Alan Curtis setzte sich schon früh für historisch orientierte Aufführungen der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts ein und leistete Pionierarbeit bei der Wiederentdeckung vernachlässigter Meisterwerke des Barock.
Er studierte von 1957 bis 1959 bei Gustav Leonhardt in Amsterdam. Nach seiner Rückkehr in die USA promovierte er im Fach Musikwissenschaft an der University of Illinois und nahm dann seine Lehrtätigkeit am Musikinstitut der University of California auf. Viele Jahre pendelte er zwischen Berkeley und Europa, in den letzten Jahrzehnten widmete er sich allerdings vollständig seinen Aufführungen, die vor allem Opern von Monteverdi bis Mozart gelten.
Bei seiner „Rekonstruktion“ von L’Incoronazione di Poppea in den 1960er Jahren in Berkeley wurde das Werk seit Jahrhunderten erstmals in der ursprünglichen Orchestrierung gespielt. Sein Debüt an der Mailänder Scala gab er 1980 als Dirigent von Händels Ariodante; 1982 leitete er an der Nederlandse Opera die erste Aufführung der neueren Zeit von Jommellis La schiava liberata. 1984 dirigierte er im restaurierten Bibiena-Theater von Bologna Glucks Armide, die er seither in zwei weiteren Produktionen leitete, eine davon mit seinem eigenen, auf Originalinstrumenten spielenden Orchester im Pariser Théâtre du Châtelet. Ebenfalls 1984 dirigierte er in Innsbruck, auf Madeira und in Lissabon die erste Aufführung in moderner Zeit von Händels Rodrigo.
Besonders hervorzuheben sind auch seine Aufführungen von Cimarosas Gli Orazi ed i Curiazi (Rom 1989) und Händels Floridante (Toronto, Ottawa und Berkeley 1990), eine Neuinszenierung von Radamisto zur Eröffnung der Händel-Festspiele in Halle im Jahr 2000, Giulio Cesare (Monte Carlo 2002) sowie die Erstaufführung von Fernando, re di Castiglia (Händels ursprüngliche Fassung von Sosarme; Lissabon, St. Gallen und Spoleto 2005). Als renommierter Vivaldi-Interpret brachte Curtis 1985 an Palladios Teatro Olimpico in Vicenza erstmals in neuerer Zeit Giustino auf die Bühne, weitere Aufführungen folgten in ganz Europa und in Buenos Aires. Darüber hinaus dirigierte er La fida ninfa an jenem Theater in Verona, für das Vivaldi die Oper einst geschrieben hatte.
1992 gründete er Il Complesso Barocco, ein Kammerensemble junger Sänger und Instrumentalsolisten, das sich auf italienische Madrigale von Komponisten wie Marenzio, Monteverdi, Gesualdo und d’India sowie auf Vokal- und Instrumentalmusik aus dem späteren Barock spezialisiert hat. Curtis’ zahlreiche Aufnahmen, u. a. für Archiv Produktion sowie von Werken Vivaldis, erhielten viele Preise und Auszeichnungen.
www.ilcomplessobarocco.com
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