Die vergangenen styriarte-Jahre
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Lange schon hat sich der steirische Kultur-Landesrat Kurt Jungwirth bemüht, Nikolaus Harnoncourt für ein Festival in seine Heimatstadt Graz zurückzuholen. Gerade im „Jahr der Musik“ findet sich überraschend ein freies Feld in Harnoncourts Terminkalender, weil ein anderes seiner Projekte nicht realisiert wird. Ebenso überraschend tritt somit die styriarte auf die Bildfläche, mit dem Wiener Philharmoniker Wolfgang Schuster als künstlerischem Leiter und Andrea Herberstein als Generalsekretärin. Johann Sebastian Bach steht im Mittelpunkt des ersten Programms, die Johannes- und die Matthäuspassion im Grazer Dom mit dem Concentus Musicus unter Harnoncourt sind die Glanzpunkte der ersten styriarte. |
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Der zweite Durchgang der steirischen Klassik-Festspiele ist einem feurigen Italiener gewidmet: Claudio Monteverdi. Harnoncourt bringt seine Marienvesper im dafür einmaligen Ambiente des Grazer Doms heraus. Den tiefsten Eindruck hinterlässt aber eine Musiktheater-Produktion im Schauspielhaus: Purcells „Dido and Aeneas“ mit Roberta Alexander und Thomas Hampson in den Titelrollen sowie mit dem Concentus Musicus unter Harnoncourt im Graben. Der Opern-Glanzpunkt fordert auch seine Opfer: Ein Loch im Budget lässt Wolfgang Schuster als künstlerischen Leiter abdanken. |
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Joseph Haydn ist der Jahresregent des Festivals, und erstmals leitet Nikolaus Harnoncourt das junge Chamber Orchestra of Europe. Die letzten sechs Londoner Sinfonien Haydns im Stefaniensaal werden damit zum Grundstein einer fulminanten künstlerischen Zusammenarbeit, die von nun an jährlich in Graz Sternstunden für ein neugieriges Orchester und einen unkonventionellen Dirigenten bringen wird. „Ein Fest für Haydn“ im Schloss Eggenberg wird ein einmaliger Publikums-Erfolg, der in den Folgejahren nicht mehr einzuholen sein wird. Erstmals überspringen die styriarte-Karteneinnahmen mit rund öS 1,6 Mio die Millionenmarke. |
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Das Chamber Orchestra of Europe kommt im Schubert-Jahr der styriarte mit einer zyklischen Aufführung seiner Symphonien, natürlich unter Harnoncourt, nach Graz. Bis 1988 sind der Grazer Dom und die Mariatroster Kirche Harnoncourts Kirchenmusik-Spielstätten der styriarte. Die Auslastung und das Angebot des Festivals steigen, die Karteneinnahmen klettern auf rund öS 2,7 Mio. Dennoch: Andrea Herberstein verlässt das Festival nach diesem Jahr, als Programmleiter folgt ihr Christopher Widauer. |
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Für die styriarte ist das ein Mozart-Jahr. Nikolaus Harnoncourt erobert mit seinem Concentus Musicus und dem Arnold Schoenberg Chor die Stainzer Pfarrkirche als Aufführungsort für Mozarts Kirchenmusik. Aber mit dem Dreiklang Mozart-Stainz-Harnoncourt wird nicht nur ein styriarte-Mythos begründet, sondern auch eine Serie von einmaligen CD-Einspielungen bei Teldec. „Ein Fest für Mozart“ hat mit einer Freiluft-Produktion von „Il Re Pastore“ im Eggenberger Schlosspark das Zeug zum Klassiker, geht aber im Regen unter. |
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Beethoven regiert dieses styriarte-Jahr: Harnoncourt beginnt seinen legendären Zyklus aller Beethoven-Symphonien, der später als CD-Produktion der Teldec ungeheuren Erfolg haben wird und damit die styriarte in alle Welt trägt. „Der Ohrenmaschinist“, Gert Jonkes Beethoven-Stück, kommt als Auftragswerk der styriarte im Schauspielhaus heraus, das Orpheum wird als styriarte-Spielstätte eingeführt, aber vom Publikum nicht angenommen. Im Budget bleibt dem Festival wieder ein Loch, Christopher Widauer verlässt das Unternehmen. |
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Mit der Neunten wird Harnoncourts Beethoven-Zyklus von 1990 abgeschlossen. Der einstige Spezialist für Alte Musik nähert sich mit dem Chamber Orchestra of Europe in Graz dem Werk von Mendelssohn, neben Johann Joseph Fux dem Jahresregenten der styriarte 1991. Edita Gruberova löst mit Mozart-Konzert-Arien im Stefaniensaal Begeisterungsstürme aus. Vor Schloss Eggenberg besorgen Pferde mit einem barocken Rossballett den szenischen Part der styriarte. Mathis Huber verantwortet seit diesem Jahr das Festival als Intendant. Die Karteneinnahmen überschreiten mit öS 3,5 Mio wieder eine Millionengrenze. |
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Kein Jahresregent, sondern ein Thema prägt fernerhin die styriarte-Programme, diesmal: „Sommer Nacht Traum“. Im Zentrum stehen Mendelssohns Sommernachtstraum-Musik und seine Walpurgisnacht mit dem Chamber Orchestra of Europe, Purcells Fairy Queen mit dem Concentus Musicus, alle drei unter Harnoncourt. Und rundherum „eine phantastische nächtliche Reise vom Mittelalter bis in die Gegenwart“. |
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Das styriarte-Thema dieses Jahres, „Raum und Klang“, wird für das steirische Festival eine spannende Herausforderung. Dieses styriarte-Programm ermöglicht es, das einmalige Ambiente der Landeshauptstadt in neuen Dimensionen wahrzunehmen, seien es die Kalvarienberg-Kirche, das Mausoleum oder andere prächtige Gefäße für edle Klänge. Jordi Savall ist mit seinen Ensembles erstmals zu Gast in Graz. |
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Das styriarte-Thema „Brüche und Brücken“ wirft ein Beziehungsnetz über die europäische Musik zwischen Ars Nova des 14. Jahrhunderts und Neuer Musik unserer Zeit, zum Beispiel in einer spannenden Begegnung des Hilliard-Ensembles mit Jan Garbarek (Gothic meets Jazz). Nikolaus Harnoncourt versammelt eine Starbesetzung für eine konzertante Fidelio-Produktion. Mozarts Schauspieldirektor wird im Stefaniensaal zum ersten gemeinsamen Projekt zwischen Josef Hader und Harnoncourt. Die styriarte-Karteneinnahmen klettern in diesem Jahr auf rund öS 5,7 Mio. |
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Die elfte styriarte folgt den „Spuren des Mythos“ zwischen dem Römersteinbruch in Wagna, wo der Theatermagier Gigi Tapella den Dichter Ovid sucht, und Schloss Eggenberg, wo Thomas Höft das mythologische Programm des Bauwerks in einer musikalischen Wanderung greifbar macht. Nikolaus Harnoncourt setzt Maßstäbe der Schubert-Deutung mit dessen Messen in Es und As. Und er finanziert und ermöglicht damit ein styriarte-Kinderprojekt: Die Zauberflöte im Zirkuszelt, präsentiert von Kindern für Kinder. Der Umfang der styriarte hat mittlerweile über dreißig Vorstellungen in drei Wochen erreicht, die Karteneinnahmen überwinden die 6-Millionen-Marke. |
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Die styriarte präsentiert sich in neuem Design – wie das Motto dieses Jahres „Einfach klassisch“. Unter diesem Thema durchstöbert die styriarte den Begriff „Klassik“, der mitunter als bequeme Schublade für die gesamte europäische Kunstmusik dient. Nikolaus Harnoncourt betritt in Graz ganz neuen Boden. Er bricht eine Lanze für den Opernkomponisten Robert Schumann und interpretiert in Starbesetzung dessen Oper „Genoveva“. Die „Klassik“-styriarte erreicht eine Auslastung von 93%. |
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Die styriarte setzt ihre Klassikdiskussion fort und stellt die Ideen des Fragmentarischen und des Monumentalen einander gegenüber. Unter dem Motto „...aber noch viel schönere Hoffnungen ...“ (aus Grillparzers Grabrede für Franz Schubert) wird dieses Spannungsfeld mit einem Schwerpunkt auf Musik von Schubert und Brahms beschritten. Die Gesamtaufführung der Brahms-Sinfonien mit dem Chamber Orchestra of Europe einerseits und die Produktion von Schuberts Oratorienfragment „Lazarus“ andererseits, beides unter der Leitung Nikolaus Harnoncourts, sind die markanten Eckpfeiler dieses Festivaljahres. Auf der Opernseite erregt die Uraufführung der unvollendeten Schubert-Oper „Der Graf von Gleichen“ in der Fassung von Richard Dünser Aufsehen. Erstmals wird die styriarte auf vier Wochen ausgedehnt und präsentiert 35 Veranstaltungen. |
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Die styriarte beginnt einen Themenzyklus, der sich auf die Spur der Ursehnsüchte der Menschheit und damit zugleich auf die Spur der Urmotive der Kunst begibt. „Verlorenes Paradies?“ – dieses Motto lässt die styriarte träumen: den Traum vom verlorenen Garten Eden und der Rückkehr dorthin. Mit Schumanns Oratorium „Das Paradies und die Peri“ stellt Nikolaus Harnoncourt ein weiteres Schlüsselwerk der Romantik in den Mittelpunkt der styriarte und bricht in diesem Jahr auch eine Lanze für den Operkomponisten Joseph Haydn - „Armida“ mit Cecilia Bartoli in der Titelrolle wird zu einem Höhepunkt des Festivals. |
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Unter dem Titel „Erklär mir, Liebe!“, einem Gedicht von Ingeborg Bachmann entnommen, sucht die styriarte 1999 nach Worten und Tönen der Liebe – vom hohen Mittelalter bis zur Gegenwart. Nikolaus Harnoncourt betritt in diesem Themenfeld unerwartet Neuland und stellt sich als Wagner-Interpret (Tristan, Tannhäuser) vor, kontrastiert durch ein denkwürdiges Brahms-Programm rund um die Liebesliederwalzer. Il Giardino Armonico, die italienische Kultformation, betritt ebenfalls Neuland mit ihrem ersten Opernengagement in einer szenischen Produktion von Claudio Monteverdis „Orfeo“ im Grazer Schauspielhaus. Jordi Savall rundet den Monteverdi-Schwerpunkt des Festivals mit dessen 8. Madrigalbuch ab. Mit einer dreiteiligen Personale stellt die styriarte das Werk des estnischen Komponisten Arvo Pärt vor. Das Festival dehnt sich auf 42 Veranstaltungen aus, für die 26.000 Karten aufgelegt werden. |
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Das Bild vom Turmbau zu Babel steht in der styriarte über der Frage nach dem Werden von Gesellschaften, nach dem Entstehen kultureller Vielfalt. Die styriarte erzählt unter dem Motto „www.babel.vg“ Geschichten vom Reichtum, der in der Begegnung unterschiedlicher Kulturen entsteht. Nikolaus Harnoncourt spürt dem Reiz der „Donaumonarchie“ nach, Jordi Savall dem multikulturellen Andalusien vor 1500, die Jazz Big Band Graz dem Schmelztiegel New York. Mit Händels „Agrippina“ in der Inszenierung von Christian Pöppelreiter setzt Il Giardino Armonico seine Karriere als Opernorchester der Extraklasse fort und entführt die styriarte-Besucher in einer ausrangierten Industriehalle ins Rom von Kaiser Nero. Eine vielversprechende Zusammenarbeit wird von der styriarte etabliert: Nikolaus Harnoncourt beginnt mit dem bis dahin als Interpret Neuer Musik bekannten französischen Pianisten Pierre-Laurent Aimard eine Aufführungsserie von Beethovens Klavierkonzerten. |
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Der Gegenpol zu Babel, Utopia, ist das Ziel der styriarte-Reise 2001. Unter dem Motto „...in eine bessre Welt entrückt“ spinnt das Festival Fäden aus dem Babel-Themenkreis weiter und bringt Utopien der Menschheit zum Klingen. Nikolaus Harnoncourt setzt sein Donaumonarchie-Projekt fort (Dvo?ák, Bartók, Beethoven) und setzt Maßstäbe mit seiner erstmaligen Interpretation des Verdi-Requiems. Viktor Ullmanns im Lager Theresienstadt komponierte Oper „Der Kaiser von Atlantis“, inszeniert von Christian Pöppelreiter und unter der musikalischen Leitung von Peter Keuschnig, wird im in einer Tramwayremise errichteten Festspielhaus zu einem ungemein berührenden Manifest der Hoffnung auch im Angesicht des Todes. Der österreichische Komponist Gösta Neuwirth steht im Mittelpunkt einer Personale, die das Klangforum Wien und der Arnold Schoenberg Chor gestalten. Einige Vorstellungen der styriarte 2001 müssen wegen der großen Nachfrage wiederholt werden. So auch ein Beethoven-Klavierabend des herausragenden Grazer Pianisten Markus Schirmer. Eine Reise der styriarte Landpartie führt ins obersteirische Benediktinerstift St. Lambrecht, wo für die Besucher in einer 20 Stunden dauernden Veranstaltung die Utopie des „Gottesstaates“ des Augustinus erfahrbar gemacht wird. In 44 Veranstaltungen erreicht die styriarte knapp 23.000 Besucher und Karteneinnahmen von annähernd zehn Millionen Schilling. |
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„...den Blick nach oben“ gerichtet, begibt sich die styriarte 2002 auf die Suche nach dem Göttlichen. Auf den Feldern von Drama, Gesang und instrumentalem Gebet zieht sie die Summe aus nach oben gerichteten Gesängen eines Jahrtausends. Nikolaus Harnoncourt findet diese bei Beethoven, Schubert und Haydn, mit dessen Heiligmesse er seine sechsjährige Beschäftigung mit den Glaubensnöten des alten Haydn in revolutionärer Zeit zu einem Schlusspunkt bringt. Das Festspielhaus in der Tramwayremise dient wiederum als Opernbühne: Die zweite Generation Harnoncourt präsentiert J. A. Hasses Dreipersonenstück „Piramo e Tisbe“. Auf dem Grazer Schloßberg erklingt das Panorama der Grazer Glocken, von Florian Geßler zu einem Klangereignis komponiert. Mehrmals begibt sich die styriarte auf Wallfahrten: mit dem Märchenerzähler Helmut Wittmann zum slowenischen Wallfahrtskirchlein Sveti Duh, mit Lorenz Duftschmid und seinem Armonico Tributo auf den Weizberg und mit Jordi Savall in die Stiftskirche Seckau. Ein fünfteiliger Konzertzyklus, „Nachtzeit bei den Minoriten“, wirft mit jungen Komponisten zu später Abendstunde einen ganz besonderen Blick nach oben. Und Händel kommt gleich zweimal zu Wort: einmal mit seinem Jugendwerk „La Resurrezione“, interpretiert von Il Giardino Armonico, und zum Abschluss der styriarte mit seinem „Messiah“, den der Arnold Schoenberg Chor und Concerto Köln erklingen lassen. Rund 25.000 Besucher bescheren der styriarte wieder ein Plus von 9 Prozent und Einnahmen von rund 780.000 Euro. |
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Mit einer fulminanten szenischen Produktion, Offenbachs „Grande-Duchesse de Gérolstein“ unter der musikalischen Leitung von Nikolaus Harnoncourt und in der Regie von Jürgen Flimm, feiert die styriarte 2003 „Die Macht der Musik“. Insgesamt steuert Nikolaus Harnoncourt fünf Projekte zur styriarte bei. Mit Pierre-Laurent Aimard bringt er das im Zyklus noch fehlende 1. Klavierkonzert von Beethoven auf die Bühne und beschwört mit einer Modellaufführung von Händels Alexanderfest das Motto von der Macht der Musik. |
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Unter dem Motto „Von Zeit zu Zeit“ bewegt sich die styriarte 2004 klangvoll durch die Zeiten der Musik. Der Gotteszeit zollt Nikolaus Harnoncourt Tribut mit Bibers f-Moll Requiem in Stainz und mit der fulminanten Interpretation von Telemanns Endzeitvision „Der Tag des Gerichts“. Der Star der styriarte bringt mit dem Tripelkonzert auch seine Aufführung und Einspielung aller beethovenschen Klavier-Orchesterwerke gemeinsam mit dem Ausnahmepianisten Pierre-Laurent Aimard zu einem vielbejubelten Ende und bricht mit Schuberts Rosamunde eine Lanze für eine unterbewertete Schauspielmusik der Romantik. |
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Die styriarte 2005 unter dem Motto „Sinnlich“ startet mit einer in der internationalen Presse bejubelten szenischen Opernproduktion: Nikolaus Harnoncourt und Andrea Breth bringen Bizets Carmen auf die Bühne der Helmut-List-Halle. Nora Gubisch und Kurt Streit in den Hauptrollen erregen ebenso Aufsehen wie die Solisten in der zweiten Harnoncourt’schen Opernproduktion der styriarte 2005: Patricia Petibon, Werner Güra, Michael Schade und Christian Gerhaher werden in der konzertanten Aufführung von Haydns Orlando Paladino vom Concentus Musicus Wien brillant begleitet. Nikolaus Harnoncourt präsentiert außerdem zwei weitere schillernde Männergestalten: Egmont in Beethovens Schauspielmusik und den reuigen David in Mozarts Kantate Davidde penitente. |
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Im Mozartjahr 2006 erhält bei der „Endlich glücklich“en styriarte ein zweiter Jahresregent große Bühne: Robert Schumann. Seiner monumental-großartigen „Faust-Szenen“ nimmt sich Nikolaus Harnoncourt an und gestaltet „mit dem Chamber Orchestra of Europe, dessen spannungsgeladenes, fein differenziertes Spiel zwischen sanfter Idylle und drastischer Dramatik changiert“ (Ernst Naredi-Rainer, Kleine Zeitung) „ein feinnerviges Seelengemälde in schillernden Farben“ (Martin Gasser, Kronen Zeitung). Als großer Glücksgriff entpuppt sich der den Faust „mit stupender Artikulationskultur und Stimmqualität“ (Peter Stalder, Der Standard) gebende Bariton Christian Gerhaher. Harnoncourts zweites Projekt in diesem Jahr in der barocken Stainzer Kirche widmet sich dem nachirdischen Glück in zwei Kantaten J. S. Bachs. Der Concentus Musicus Wien „fasziniert mit subtilen Farbnuancen, pulsierender Lebendigkeit, tänzerischem Elan, sensibler Klangschönheit und virtuosen Soli.“ (Ernst Naredi-Rainer, Kleine Zeitung) |
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Für vier Wochen und in 40 Konzerten lud die styriarte 2007 auf die Suche nach Europa ein. Und ihr Publikum folgte enthusiastisch, so dass von einem außergewöhnlichen Erfolg des Festivals gesprochen werden kann. Wobei uns besonders freut, mit welch großem Interesse Besucher wie Künstler die Fragen nach der Geschichte, dem Wesen und der Zukunft einer verbindenden europäischen Kultur aufgriffen, reflektierten, diskutierten und lebten. Hier kann von Europamüdigkeit nicht die Rede sein, ganz im Gegenteil: das vitale Interesse an einer gemeinsamen kulturellen Basis bildete ein Band, das alle Veranstaltungen verknüpfte und darüber hinaus spürbar auch die Besucher beschäftigte und faszinierte. |
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„Alles fließt“ - und am Ende der styriarte 2008 darf man konstatieren, dass wirklich unglaublich viele Menschen mitgerissen wurden von der Kraft der Musik, von der Idee des Festivals und von den Aufführungen, die einen Monat lang die Steiermark unter Hochspannung setzten. Dieses Festival zum Thema „Wasser“ hat neue Maßstäbe gesetzt, das bestätigen auch diejenigen, die schon lange die an Höhepunkten nicht gerade arme Geschichte der styriarte verfolgten. Maßstäbe an programmatischer Durchdringung der einzelnen Konzerte, Maßstäbe in der gedanklichen Zusammenführung der einzelnen Programme zu einem Ganzen und vor allem Maßstäbe in der herausragenden Qualität der Produktionen. Das liegt zu allererst an jenem „Jahrhundertereignis“ (Frankfurter Rundschau), das Nikolaus Harnoncourt so besonders am Herzen liegt, und das Thema und Geist des heurigen Festivals vorgegeben und geprägt hat. Mozarts „Idomeneo“ endlich so auf die Bühne zu bringen, wie es der Komponist bei der Uraufführung vorgehabt hat, war Nikolaus Harnoncourts Anliegen. Dafür hat er selbst einmaligerweise auch auf dem Regiestuhl Platz genommen und mit Unterstützung eines sensationellen Teams erreicht, was er sich vorgenommen hatte: eine Inszenierung von Mozarts großer Oper ganz aus dem Geist der Musik zu schaffen. In der Rezeptionsgeschichte des Werkes eines der größten Komponisten der Welt – wo fast jeder doch dachte, zu ihm sei nun wirklich alles erzählt, alles getan worden – ist dadurch ein neues Kapitel aufgeschlagen worden. Und die Verwirrung einiger in Konventionen der jüngeren Vergangenheit erstarrter Kritiker, die Musiktheater tatsächlich vom Sprechtheater her denken, bestätigt erst recht den revolutionären Ansatz dieses Konzeptes, in dem nichts „passiert“ ist, sondern jeder einzelne Moment so und nicht anders „gewollt“ war. Musiktheaterregie heißt für Nikolaus Harnoncourt zuerst, Musik zu ermöglichen. Und wer das gehört und gesehen hat, vom unvergleichlichen Klang des Concentus Musicus über die in jeder Rolle ideal auf Weltniveau besetzten Solisten und den Arnold Schönberg Chor bis hin zur unverzichtbaren Züricher Ballettcompagnie von Heinz Spoerli, der wird „Idomeneo“ nie mehr für eine Oper von zweitem Rang halten. Und wie schön es ist, wenn ein notwendigerweise räumlich begrenztes musikalisches Weltereignis plötzlich Allgemeingut werden kann, zeigte die neue ORF-Klangwolke mit Mozarts Krönungsmesse unter Nikolaus Harnoncourt aus Stainz. „Public Viewing“ ist ja vor allem durch Sportereignisse in aller Munde. Doch die Kultur holt glücklicherweise auf. Was die Metropolitan Opera in New York als Vorreiter eingeführt, die Bayreuther Festspiele heuer erstmalig versuchen, steht bei der styriarte in voller Blüte. Großleinwände im ganzen Land transportierten Nikolaus Harnoncourts zweite Mozart-Exegese ganz unmittelbar zu jedermann, der nicht in der ausverkauften Pfarrkirche dabeisein konnte. Und überhaupt war das niedrigschwellige Angebot für alle, die noch Klassikfans werden wollen, wieder ein besonderes Anliegen der styriarte. Sowohl das Eröffnungskonzert auf dem Hauptplatz mit den riesig besetzten orchestralen Meeresmusiken und recreation - GROSSES ORCHESTER GRAZ als auch die avancierte Uraufführung von Christian F. Schillers musikalischer Aktion „flussleere“ unter der Murbrücke zum Festivalausklang waren kostenlos zu besuchen. Und von „Am Brunnen vor dem Tore“ in Schloss Ottersbach bis hin zum „Jungbrunnen“ in Bad Gleichenberg in Zusammenarbeit mit dem Festival „regionale08“ erkundete die styriarte auch heuer wieder die Regionen der Steiermark abseits der Metropole. Besonderes wichtig war der styriarte heuer die Ausweitung des thematischen Horizontes durch Literatur. Von Maximilian Schell über Tobias Moretti, von Robert Stadlober bis Fritz Muliar war eine Garde der österreichischen Schauspieler nach Graz gekommen, um die Tiefen und Untiefen des Wassers und der Meere zu erkunden. Die „Langen Nächte des Meeres“ entwarfen eine Kulturgeschichte des Wassers von den Urmythen unserer Zivilisation bis hin zu den frühen ökologischen Phantasien gegen Umweltverschmutzung und Zerstörung des Lebensraums Ozean. Und noch nie boten so viele Konzerte Texte an, um das Verstehen zu erweitern: ob nun die tragischen Geschichten von Lady Hamilton oder vom Untergang der Titanic, ob Donna Leons Venedig-Versenkungen oder die großen kulturgeschichtlichen Erfahrungen wie die Reisen des chinesischen Admirals Zheng He oder die Entstehung der Filmmusik aus dem Geist der Klassik und des Seeräuberfilms im Mittelpunkt standen. Die styriarte will überraschen, will unkonventionelle Ansichten auf unser Leben ermöglichen, aber sie will auch auf dem höchsten Niveau unterhalten. Dafür stach in der zweiten Festivalhälfte die S.M.S. styriarte in See, und hatte neben den beliebten styriarte-Stammgästen wie dem Ensemble Sarband unter dem musikalischen Weltenerkunder Vladimir Ivanoff den neuen virtuos-funkelnden Barockstars von „I Barrocchisti“ unter Diego Fasolis und den innigen Musikern um Bariton Wolfgang Holzmair auch jenen Kapitän an Bord, der seit Jahren einen fulminanten styriarte-Abschluss garantiert. Jordi Savall und Hespèrion XXI entwarfen ein Panorama der Musik der Kulturen des Mittelmeerraumes und brachten damit noch einmal auf den Punkt, was die gesamte styriarte ausmacht: die alte Musik ist weder alt noch vergessen. Sie führt an die Wurzeln unserer Kultur. Und diese müssen wir kennen, um in der Gegenwart angemessen und rücksichtsvoll leben zu können. Gemeinsam mit Menschen, die uns fremd scheinen, und in einer Natur, die gerade auch in Bezug auf das Wasser Gefahren bereithält. Und darüber sprechen die Menschen vergangener Zeiten zu uns, lassen uns in ihrer Kunst an ihren Erfahrungen und an ihren Ideen teilhaben. Wir wären töricht, nicht auf sie zu hören. Die styriarte 2008 erreichte mehr als 30.000 Besucher und damit wie üblich eine Auslastung klar über 90%. Mit einem Bruttokartenertrag von EUR 1.310.000 wurden planmäßig die höchsten Karteneinnahmen seit jeher erreicht. 15 Projekte der styriarte 2008 wurden vom ORF-Hörfunk aufgezeichnet bzw. direkt übertragen und in den EBU-Raum weiterverbreitet. Der ORF produzierte eine filmische Dokumentation der Klangwolke und eine Probendokumentation des Idomeneo (Felix Breisach). Die styriarte selbst hat den Idomeneo filmisch in HDTV-Qualität konservieren lassen – auch von Felix Breisach – und bereitet eine weitere Verwendung des Materials vor. Land Steiermark und Stadt Graz setzten ihre speziellen Förderungen in der Spitze (Idomeneo) und in der Breite (Klangwolke) ein. Die Grazer Wechselseitige Versicherung engagierte sich als Opernsponsor, die Raiffeisen Landesbank als Haupt- und Opernsponsor der styriarte 2008, und alle zusammen ermöglichten damit dieses ehrgeizige Opernprojekt. |
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